WEITSICHT STATT STILLSTAND – WARUM „HABEN WIR SCHON IMMER SO GEMACHT“ GEFÄHRLICH IST

„Das haben wir schon immer so gemacht." Ein Satz, der vermeintlich harmlos klingt – und doch so viel zerstören kann. Für mich ist es der am meisten unterschätzte Innovationsverhinderer in Unternehmen. Denn hinter dieser Aussage steckt nicht etwa Überzeugung, sondern Angst. Und genau das durfte ich in einer meiner Coachingsessions sehr deutlich erleben.

Ein etabliertes Unternehmen, solide aufgestellt, traditionsreich geführt. Die Geschäftsführung holt mich ins Boot, um die internen Prozesse moderner und zukunftsfähiger zu gestalten. Schon in den ersten Gesprächen wird deutlich: Die HR-Abteilung ist bereit für Neues, Ideen sprudeln. Doch kaum geht es um konkrete Veränderungen – etwa in der Personalgewinnung – fährt ein Abteilungsleiter dazwischen: „Also bei uns läuft das seit 20 Jahren so. Das hat sich bewährt." Stille im Raum. Ich spüre die Energie kippen. Da war sie wieder, diese Wand. Unüberwindbar. Zumindest auf den ersten Blick.

Was ich über die Jahre gelernt habe: Hinter diesem Widerstand steckt fast nie Böswilligkeit – sondern ein tiefes Bedürfnis nach Sicherheit. Veränderung bedeutet Kontrollverlust. Und Kontrolle ist oft die letzte Bastion, an der sich Führungskräfte festklammern, wenn alles andere ins Wanken gerät. Genau hier setzt das STEAUF-Prinzip an. Es versteht Organisationen als lebendige Organismen, die – wie Bäume – nur dann stabil wachsen können, wenn Strategie, Kommunikation und Führung im Einklang sind. Die Krone steht für die strategische Ausrichtung. Der Stamm für klare Kommunikation. Die Wurzeln – und die werden häufig vergessen – für echte Führungskompetenz.

In meiner Arbeit mit dem QRA-Ansatz wird das spürbar. Besonders im pferdegestützten Coaching zeigt sich innerhalb von Sekunden, wo jemand steht. Ein Pferd interessiert sich nicht für Hierarchien oder Rollenbeschreibungen. Es reagiert auf Klarheit – oder deren Abwesenheit. In einem dieser Coachings stand eine erfahrene Führungskraft neben mir, äußerlich souverän, innerlich aber voller Zweifel. Das Pferd wich ihr konsequent aus. Erst als sie sich erlaubte, nicht mehr perfekt wirken zu müssen, kam es zu ihr – ruhig, vertrauensvoll. Dieser Moment war magisch. Und heilend.

Diese Erfahrung steht sinnbildlich für das, was in Unternehmen passieren darf. Es braucht Räume, in denen nicht nur Prozesse neu gedacht, sondern Ängste neu betrachtet werden. Denn das Alte hält uns nicht fest – wir halten uns daran fest. Oft unbewusst. Doch wenn wir bereit sind, diese Muster zu erkennen und loszulassen, entsteht Weitsicht. Und genau darum geht es.

Weitsicht bedeutet, sich zu trauen, über die eigenen Routinen hinauszudenken. Zu fragen: Was wäre, wenn wir heute neu beginnen würden? Es bedeutet auch, sich selbst zu reflektieren: Was hält mich im Alten? Welche Ängste blockieren mich wirklich? Transformation beginnt nicht mit einer neuen Strategie – sie beginnt mit einem ehrlichen Blick nach innen.

Ich lade dich ein, deine Organisation nicht länger durch „haben wir schon immer so gemacht" kleinzuhalten. Die Zukunft gehört denen, die sich trauen, die Komfortzone zu verlassen und auch unbequeme Fragen zu stellen. Es lohnt sich.

In diesem Sinne:
Weitsicht entsteht, wenn wir den Mut haben, hinzuschauen, wo es unbequem wird.
Denn nur dort beginnt echte Transformation.

Bleibt verbunden!
Deine Renée

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